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Man sagt immer : Hinter einem erfolgreichen Mann
steht eine starke Frau. Doch wer steht hinter einer erfolgreichen Frau?
Sie ahnen es vielleicht- niemand. So war es damals.
Heute ist das natürlich ganz anders.
Eine dieser starken Frauen ist für mich
Sidonia Hedwig Zäunemann, Thüringens
gekrönte Dichterin, die geschickteste Feder Deutschlands,wie
sie oft bezeichnet wurde. Wer war diese Frau ?
Sie wurde am 15.01.1711 in Erfurt geboren. Ihr
Vater war der nicht besonders wohlhabende Advokat und Notar Paul
Nikolaus Zäunemann.
Ihr Geburtshaus stand vermutlich gegenüber
dem heutigen Sorat- Hotel hinter der Krämerbrücke.
Mit Sidonia wuchs in der Familie Zäunemann
ein Kind auf, das zwar streng gläubig und häuslich
erzogen wurde, dessen Interesse an Weltbegebenheiten
und am Leben in ihrer Heimatstadt nie nachließ . Sie
interessierte sich eben nicht nur -wie es damals
zeitgemäß war- für Haushalt, Kochtopf
und Kinderkriegen- sondern für alles, was um sie herum
geschah. Sie wollte auch wissen warum es geschah.
Doch nur Beobachten reichte ihr nicht. Sie wollte
sich dazu äußern. Nicht leicht in einer
Männerwelt. Doch sie tat es.
Ihr Leben und Dichten war ein entschlossener Drang
zur Selbstbehauptung.
Sie war auch eine mutige Frau. Wie sonst soll man
es bezeichnen, wenn sie allein zu Pferd, als Mann verkleidet, zu ihrer
Schwester nach Ilmenau ritt.
Das in einer Zeit, da junge Mädchen kaum
allein über die Straße gehen durften!
Sie las frühzeitig historische und.
poetische Geschichten, konnte- wenn auch nicht perfekt-Latein und
Französisch, war in Geschichte und Mythologie belesen .
Schon als 14-jährige verfaßte
sie Gelegenheitsgeschichten zu Hochzeiten, Kindstaufen und anderen
Anlässen.
Sie beschrieb in einem ihrer Gedichte den
Großen Stadtbrand von 1736 ( "Das unter Glut und Flammen
ächsende Erfurt"-21.10.1736) und
erlangte damit den Ruhm und auch die Liebe ihrer Heimatstadt.
Es wurden tausende Exemplare in mehreren Auflagen
gedruckt. Die" Hamburger Berichte" druckten sogar ein Bild von ihr ab.
S. H. Zäunemann war sehr
fleißig, selbstbewusst und von Wissensdurst getrieben.. Sie
schrieb sehr viele Gedichte - anläßlich des
Amtsantrittes des kurmainzischen Stadthalters
in Erfurt.1732, drei Gedichte auf Prinz Eugen, ein Gedicht zum Tod von
Friedrich dem II, besang die Soldaten in Kantaten, schrieb zwei
Gedichte in unüblicher Art: "Waldgedicht" (Jagd d. Herzog
Ernst
August von Sachsen im Weimar-Ilmenauer Forst) und "Ilmenauer Bergwerk",
welches von Johann Heinrich Nonne in Erfurt gedruckt wurde. In dem
Gedicht "Das Bergwerk in Ilmenau wußte die
"Zäunemännin" genau , worüber sie schrieb.
Sie war
selbst eingefahren. Viele Meter mußte sie von einer Leiter
zur
anderen hinab in die Grube steigen, um sich in 1 Meter schmalen
Gängen fort zu bewegen. Wie war es ihr gelungen, in diese
durch
Männer bestimmte Berufswelt einzudringen? Sicher mit viel
Ehrgeiz
und Selbstbewußtsein- typische Eigenschaften einer
Erfurterin-
doch auf alle Fälle auch mit weiblichen Geschick. Sie hatte es
verstanden, die Gunst des Herzogs Ernst August von Sachsen zu erlangen,
der ihr genehmigte, ins Bergwerk einzusteigen und ihr zur Sicherheit
noch einen Berginspektor mitgab, denn Sidonia hatte es cleverer Weise
nicht versäumt, eine Werbeschrift zu verfassen für
das
Ilmenauer Bergwerk, welches dem Herzog gehörte.
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Man sieht also: wenn es eine bedeutende Frau
möchte, steht hinter ihr auch ein starker, einflussreicher
Mann.
Das wichtigste Datum in Ihrem Leben wird wohl der
3.1.1738 gewesen sein. An diesem Tag erhielt sie an der
Göttinger Universität durch Graf Heinrich XI. von
Reuß den poetischen Lorbeerkranz (mit grünem, reich
in Silber gestickten Bande verziert). Sie wurde damit zur kaiserlichen
Poetin ernannt.
Sie war nach Christiana Marianna v. Ziegler, der
diese Ehrung an der Wittenberger Uni wenige Jahre vorher zuteil wurde,
die zweite anerkannte Poetin ihrer Zeit. Eine Erfurterin.
Ihre erste Gedichtsammlung "Poetische Rosen in
Knospen" gab sie 1738 heraus.
Doch was war mit der Erfurter Uni ? Die
Zäunemännin umschreibt es höflich so: Unsere
edlen Deutschen sind noch nicht gewohnt, den Weibspersonen eine
Übung in freien Künsten zu gestatten. Und eine Frau
am Gelehrtenpult käme einer Aufruhr gleich.
So durchziehen Verteidigung und Rechtfertigung ihr
Werk wie ein roter Faden, denn in kleinbürgerlichen Kreisen
ihrer Heimatstadt erregte sie schon Anstoß.
Die Zäunemann hält eine Satire
gegen das Böse von unvergleichbaren Nutzen. So schreibt sie
"die von Frauen gepeitschten Laster" und wendet sich gegen "Hochmuth,
Gleißnerei und andere Untugenden". Viele Männer
würdigten ihre trefflichen Gaben, ihr emsiges Streben, ihre
ungewöhnliche Anstrengung, ihren originalen Willen, manch
sinnigen Einfall, wirkliches Gefühl, innige Andacht und
gläubige Erkenntnis.
Walter Blaha beurteilte sie in dem Buch "Geschichte
der Stadt Erfurt" von Willibald Gutsche als eine Dichterin, in deren
Werk die Sehnsucht nach Freiheit und Gleichberechtigung der Frau in der
bürgerlichen Gesellschaft in der Aufklärungszeit zum
Ausdruck kommt.
Sidonia
Hedwig Zäunemann
verunglückte am 16.12.1740 auf einer ihrer Reisen nach Ilmenau
tödlich. Während eines starken Gewitters brach die
Brücke, über die sie gerade ritt, unter ihr zusammen.
Die Stadt Plaue würdigte ihr Leben mit einer Gedenktafel, die
sich im Zentrum des Ortes an der Kirche befindet. Auf dieser Tafel
wurde, wie man heute weiß ein falsches Geburtsjahr angebracht.
Doch was sagen die Leute von heute über
ihr kurzes, aber intensives Leben?
Goedeke zählt ihr Werk zum Kreis der
gelehrt höfischen Dichtung der ersten Hälfte des
18.Jahrhundert.
Sidonia Zäunemann wagte es nicht, auf dem
Gebiet der Dichtkunst neue Wege zu gehen, wiewohl es ihr auch
dafür nicht an Neigung gebrach, so ließ sie sich
andererseits durch Vorurteile und Spottsucht nicht zurück
halten, hier und da in ihrer Lebensweise den damals so fest
umschränkten Kreis weiblicher Sitte zu durchbrechen. (Zitat
aus dem Buch "Erfurt und die Zäunemännin" von Paulus
Hassel, herausgegeben 1857 in Hannover)
Wenn ich ihnen nun abschließend noch ein
kleines Werk dieser großen Frau zu vorstellen
möchte, so bedenken sie bitte, dass das, was in ihrer Zeit
bedeutend war, es auch für uns ist, sobald wir die Zeit
erkennen wollen.
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Madrigal,
über die Wiege eines Kindes
Du
schläfst in Ruh,
Und
bildest dir nicht ein
Die
kleine Wiege werde
Auf
dieser schnöden Erde
Das
Vorbild deines größren Schicksals seyn.
Die
Wiege wirft dich hin und her
So
wirst du auch nach mehren Jahren
Des
Schicksals Spielwerk wohl erfahren.
Es
wird sich stets bemühn,
Dich
öfters hin und her zu ziehn.
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