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Man sagt
immer : Hinter einem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Doch wer
steht hinter einer erfolgreichen Frau?
Sie ahnen
es vielleicht- niemand. So war es damals. Heute ist das natürlich
ganz anders.
Eine dieser
starken Frauen ist für mich Sidonia Hedwig Zäunemann, Thüringens
gekrönte Dichterin, die geschickteste Feder Deutschlands,wie
sie oft bezeichnet wurde.Wer war diese Frau ?
Sie wurde
am 15.01.1714 in Erfurt geboren. Ihr Vater war der nicht besonders wohlhabende
Advokat und Notar Paul Nikolaus Zäunemann.
Ihr Geburtshus
stand vermutlich gegenüber dem heutigen Sorat- Hotels hinter der
Krämerbrücke.
Mit Sidonia
wuchs in der Familie Zäunemann ein Kind auf, das zwar streng gläubig
und häuslich erzogen wurde, dessen Interesse an Weltbegebenheiten
und am Leben in ihrer Heimatstadt nie nachließ . Sie interessierte
sich eben nicht nur -wie es damals zeitgemäß war- für
Haushalt, Kochtopfund
Kinderkriegen- sondern für alles, was um sie herum geschah und warum
es geschah.
Doch nur Beobachten
reichte ihr nicht.Sie wollte sich dazu äußern. Nicht leicht
in einer Männerwelt. Doch sie tat es.
Ihr Leben
und Dichten war ein entschlossener Drang zur Selbstbehauptung.
Sie war auch
eine mutige Frau.Wie sonst würde man es bezeichnen, dass sie allein
zu Pferd, als Mann verkleidet, zu ihrer Schwester nach Ilmenau ritt.
Das in einer
Zeit, da junge Mädchen kaum allein über die Straße gehen
durften!
Sie las frühzeitig
historische u. poetische Geschichten, konnte- wenn auch nicht perfekt-Latein
und Französisch, war in Geschichte u. Mythologie belesen .
Schon als
14-jährige verfaßte sie Gelegenheitsgeschichten zu Hochzeiten, Kindstaufen
und anderen Anlässen.
Sie beschrieb
in einem ihrer Gedichte den Großen Stadtbrand von 1736 ( "Das unter
Glut und Flammen ächsende Erfurt"-21.10.1736) und
erlangte damit den Ruhm und auch die Liebe ihrer Heimatstadt.
Es wurden
tausende Exemplare in mehreren Auflagen gedruckt. Die" Hamburger
Berichte" druckten sogar ein Bild von ihr ab.
S. H. Zäunemann
war sehr fleißig, selbstbewusst und von Wissensdurst getrieben.. Sie schrieb
sehr viele Gedichte - anläßlich des Amtsantrittes des kurmainzischen Stadthalters
in Eft.1732, drei Gedichte auf Prinz Eugen, ein Gedicht zum Tod von Friedrich
dem II, besang die Soldaten in Kantaten, schrieb zwei Gedichte in unüblicher
Art: "Waldgedicht" (Jagd d. Herzog Ernst August von Sachsen im Weimar-Ilmenauer
Forst) und "Ilmenauer Bergwerk", welches von Johann Heinrich Nonne in
Erfurt gedruckt wurde.n dem Gedicht "Das Bergwerk in Ilmenau wußte
die Zäunemännin genau , worüber sie schrieb. Sie war selbst
eingefahren.VieleMeter mußte sie von einer Leiter zur anderen hinab
in die Grube steigen, um sich in 1 Meter schmalen Gängen fortzubewegen.
Wie war es ihr gelungen, in diesemännerbestimmte Berufswelt einzudringen
? Sicher mit viel Ehrgeiz und Selbstbewußtsein- typische Eigenschaften
einer Erfurterin- doch auf alle Fälle auch mit weiblichen Geschick.Sie
hatte es verstanden, die Gunst des Herzogs Ernst August von Sachsen zu
erlangen, der ihr genehmigte, ins Bergwerk einzusteigen und ihr zur Sicherheit
noch einen Berginspektor mitgab, denn Sidonia hatte es cleverer Weise
nicht versäumt, eine Werbeschrift zu verfassen für das Ilmenauer Bergwerk,
welches o. g. Herzog gehörte.
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Man sieht
also: wenn es eine bedeutende Frau möchte, steht hinter ihr auch ein starker,
einflussreicher Mann.
Das Wichtigste
Datum in Ihrem Leben wird wohl der 3.1.1738 gewesen sein. An diesem Tag
erhielt sie an der Göttinger Universität durch Graf Heinrich XI. von Reuß
den poetischen Lorbeerkranz (mit grünem, reich in Silber gestickten Bande
verziehrt)..Sie wurde damit zur kaiserlichen Poetin ernannt.
Sie war nach
Christiana Marianna v. Ziegler, der diese Ehrung an der Wittenberger Uni
wenige Jahre vorher zuteil wurde, die zweite anerkannte Poetin ihrer Zeit.Eine
Erfurterin.
Ihre erste
Gedichtsammlung "Poetische Rosen in Knospen" gab sie 1738 heraus.
Doch was war
mit der Erfurter Uni ? Die Zäunamännin umschreibt es höflich
so: Unsere edlen Deutschen sind noch nicht gewohnt, denen Weibspersonen
eine Übung in freien Künsten zu gestatten. Und eine Frau am Gelehrtenpult
käme einer Aufruhr gleich.
So durchziehen
Verteidigung und Rechtvertigung ihr Werk wie ein roter Faden, denn in
kleinbürgelichen ihrer Heimatstadt erregte sie schon Anstoß.
Die Zäunemann
hält eine Satire gegen das Böse von unvergleichbaren Nutzen. So schreibt
sie "die von Frauen gepeitschten Laster" und wendet sich gegen Hochmuth,
Gleißnerei und andere Untugenden . Viele Männer würdigten ihre trefflichen
Gaben, ihr emsiges Streben, ihre ungewöhnliche Anstrengung ,ihren orginalen
Willen ,manch sinnigen Einfall , wirkliches Gefühl, innige Andacht und
gläubige Erkenntnis.
Walter Blaha
beurteilte sie in dem Buch "Geschichte der Stadt Erfurt" von Willibald
Gutsche als eine Dichterin, in deren Werk die Sehnsucht nach Freiheit
und Gleichberechtigung der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft in der
Aufklärungszeit zum Ausdruck kommt.
Sidonia Hedwig
Zäunemann verunglückte am16.12.1740 auf einer ihrer Reisen nach
Ilmenau tödlich. Während eines starken Gewitters brach die Brücke,über
die sie gerade ritt, unter ihr zusammen. Die Stadt Plaue würdigte
ihr Leben mit einer Gedenktafel, die sich im Zentrum des Ortes an der
Krche befindet.
Doch was sagen
die Leute von heute über ihr kurzes, aber intensives Leben?
Goedeke zählt
ihr Werk zum Kreis der gelehrt höfischen Dichtung der ersten Hälfte des
18.Jhd.
Sidonia Zäunamann
wagte es nicht, auf dem Gebiet der Dichtkunst neue Wege zu gehen ,wiewohl
es ihr auch dafür nicht an Neigung gebrach, so ließ sie sich andererseits
durch Vorurteile und Spottsucht nicht zurück halten, hier und da in ihrer
Lebensweise den damals so fest umschränkten Kreis weiblicher Sitte zu
durchbrechen. (Zitat aus dem Buch "Erfurt und die Zäunemännin" von Paulus
Hassel, herausgegeben 1857 in Hannover)
Wenn ich ihnen
nun abschließend noch ein kleines Werk dieser großen Frau zu vorstellen
möchte, so bedenken sie bitte, dass das, was in ihrer Zeit bedeutend war,es
auch für uns ist, sobald wir die Zeit erkennen wollen.
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Madrigal,
über die Wiege eines Kindes
Du
schläfst in Ruh,
Und
bildest dir nicht ein
Die
kleine Wiege werde
Auf
dieser schnöden Erde
Das
Vorbild deines größren Schicksals seyn.
Die
Wiege wirft dich hin und her
So
wirst du auch nach mehren Jahren
Des
Schicksals Spielwerk wohl erfahren.
Es
wird sich stets bemühn,
Dich
öfters hin und her zu ziehn.
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